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Technik & Verfahren

Wie wir messen — und warum das Verfahren zum Ziel passen muss

Wir arbeiten mit zwei Verfahrensfamilien, die oft verwechselt werden. Laserscanning misst ein Gebäude. Gaussian Splatting zeigt es. Beide erzeugen etwas Dreidimensionales, aber sie beantworten völlig verschiedene Fragen. Was wir hier schreiben, stammt aus eigenen Erfassungen, nicht aus Herstellerprospekten.

Teil 1 — Messende Verfahren

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    Wie ein 3D-Scan entsteht

    Ein Laserscanner sendet unzählige unsichtbare Lichtimpulse aus, sogenannte LiDAR-Signale (kurz für „Light Detection and Ranging“). Jeder Impuls trifft auf eine Oberfläche im Raum, wird reflektiert und kehrt zum Scanner zurück. Aus der Zeit, die das Licht dafür braucht, berechnet das Gerät die exakte Entfernung zu diesem Punkt — ähnlich wie ein Echo, nur mit Licht statt Schall.

    Das wiederholt sich millionenfach pro Sekunde, aus jeder Richtung. Eine Punktwolke ist die Gesamtheit dieser gemessenen Punkte — jeder mit exakten Koordinaten, oft mehrere hundert Millionen. Sie ist ein maßhaltiger digitaler Abdruck jeder Wand, Kante und Fläche.

    Da ein einzelner Scan-Standort nie den kompletten Raum erfassen kann, wird von mehreren Positionen aus gescannt. Damit daraus ein einziges, zusammenhängendes Modell wird, müssen die einzelnen Punktwolken passgenau ineinandergefügt werden — ein Schritt, der Registrierung genannt wird. Eine Software erkennt dabei gemeinsame Bezugspunkte in den überlappenden Scans und richtet sie exakt aufeinander aus, so präzise, dass am Ende alle Millionen Punkte zu einem einzigen, maßgenauen Gesamtbild verschmelzen.

    Das Ergebnis ist eine vollständige, hochpräzise digitale Kopie des realen Gebäudes — die Basis für alles, was danach kommt: vom BIM-Modell bis zum virtuellen Rundgang.

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    Terrestrischer Scanner

    Der terrestrische Scanner ist die klassische, präziseste Variante: Ein Laserscanner steht fest auf einem Stativ, dreht sich um die eigene Achse und erfasst von diesem einen Punkt aus jeden Winkel des Raumes bis auf wenige Millimeter genau. Für ein größeres Gebäude wird der Scanner an mehreren Standorten aufgestellt, die Einzelscans werden anschließend zu einem Gesamtmodell zusammengefügt.

    Der Vorteil: höchste Präzision. Der Aufwand: mehr Zeit, da für jeden Standort ein eigener Messvorgang nötig ist.

    Terrestrischer Scanner
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    SLAM-Scanner

    Ein SLAM-Scanner ist ein Laserscanner, der während der Bewegung misst und dabei gleichzeitig berechnet, wo er sich selbst befindet. SLAM steht für „Simultaneous Localization and Mapping“ — gleichzeitige Ortsbestimmung und Kartierung.

    Der SLAM-Scanner geht damit den umgekehrten Weg zum terrestrischen Verfahren: Er wird während des Gehens getragen, etwa in der Hand oder an einem Gestell, das man am Körper trägt (Steadycam), und erfasst den Raum kontinuierlich in Bewegung. Dadurch lassen sich auch große, verwinkelte oder schwer zugängliche Gebäude in kurzer Zeit erfassen, ohne dass viele Einzelstandpunkte nötig sind.

    Unser SLAM-Scanner erreicht dabei eine Genauigkeit von unter 1 cm auf 20 m — selbst gemessen und in eigenen Tests bestätigt, ein Präzisionsniveau, das deutlich über dem liegt, was mobile Scansysteme üblicherweise leisten. Zusätzlich verfügt unser Gerät über eine RTK-Anbindung (Real-Time Kinematic): Ein feststehender Referenzpunkt korrigiert laufend die GPS-Position des Scanners in Echtzeit, sodass nicht nur der Raum selbst präzise erfasst wird, sondern auch seine exakte Lage in der realen Welt — zentimetergenau statt, wie bei normalem GPS üblich, nur auf mehrere Meter genau.

    SLAM-Scanner
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    Terrestrisch und SLAM im direkten Vergleich

    Welche Technologie zum Einsatz kommt, hängt vom Projekt und dessen Zugänglichkeit ab. In Sachen Geschwindigkeit hat der SLAM-Scanner klar die Nase vorn, und zwar deutlich. Das betrifft nicht nur den Vorgang während des Scannens, sondern auch die Nacharbeit: Der SLAM-Scanner fügt die Daten bereits während des Messens zusammen, die Registrierung entfällt weitgehend.

    Die Praxis hat uns gezeigt, dass der Genauigkeitsvorteil des terrestrischen Systems im Alltag nicht wirklich zum Tragen kommt — ein Unterschied von etwa 0,5 cm auf 20 m ist auf der Baustelle nicht relevant. Wo sich die Möglichkeit ergibt, scannen wir deshalb mit dem SLAM-Scanner. Dennoch kann es notwendig sein, auf die terrestrische Messmethode zurückzugreifen.

    Dasselbe Objekt, beide Verfahren nebeneinander.

Teil 2 — Darstellende Verfahren

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Gaussian Splatting — wie ein Raum begehbar wird

Ein virtueller Rundgang bei uns beruht auf 3D Gaussian Splatting, einem Verfahren, das erst seit 2023 praktisch nutzbar ist und die Darstellung realer Räume grundlegend verändert hat.

Was dabei passiert

Grundlage sind viele hundert Aufnahmen desselben Raumes aus unterschiedlichen Blickwinkeln — in der Regel aus einem Video gewonnen. Aus diesen Bildern errechnet das Verfahren zunächst, wo die Kamera bei jeder einzelnen Aufnahme stand.

Anschließend wird der Raum mit Millionen winziger, weicher Farbwölkchen gefüllt — den namensgebenden Gaussians. Jedes einzelne trägt eine Position im Raum, eine Größe, eine Ausrichtung, eine Farbe und einen Grad an Durchsichtigkeit. In vielen tausend Rechendurchgängen werden diese Eigenschaften so lange angepasst, bis die Summe aller Wölkchen aus jedem Blickwinkel genau das Bild ergibt, das die Kamera dort aufgenommen hat.

Das Ergebnis ist kein Modell im klassischen Sinn. Es gibt keine Wände, keine Flächen, keine Kanten — es gibt nur eine Wolke aus Farbe und Licht, die sich aus jeder Richtung richtig anfühlt.

Warum das besser aussieht als alles davor

Klassische 3D-Modelle scheitern an dem, was Räume ausmacht: Glas, Spiegelungen, Chrom, Blattwerk, weiche Schatten. Ein Laserscanner bekommt eine Fensterscheibe kaum in den Griff, ein modelliertes Blatt sieht immer nach modelliertem Blatt aus.

Gaussian Splatting hat dieses Problem nicht, weil es gar nicht erst versucht, Oberflächen zu rekonstruieren. Es speichert, wie ein Ort aus jeder Richtung aussieht — einschließlich der Spiegelung, die sich mitbewegt, wenn man den Kopf dreht. Deshalb wirken diese Rundgänge nicht wie eine Bilderfolge, sondern wie ein Raum, durch den man sich frei bewegen kann.

Der zweite Vorteil ist praktischer Natur: Die Darstellung läuft in Echtzeit direkt im Browser, ohne Installation und ohne Spezialhardware. Ein Verweis genügt.

Und man kann darin messen

Hier weichen wir vom Üblichen ab. Fast überall liest man, ein Gaussian Splat sei nicht maßhaltig — und für ein reines Foto-Splat stimmt das auch: Aus Bildern allein lässt sich Geometrie nur bis auf einen beliebigen Maßstabsfaktor rekonstruieren. Das Verfahren weiß, dass ein Raum doppelt so lang wie breit ist, aber nicht, ob er vier oder acht Meter misst.

Unsere Rundgänge sind anders aufgebaut. Unter dem Splat liegt eine registrierte Punktwolke aus dem Laserscan desselben Objekts. Der Laserscanner misst Entfernungen physikalisch, seine Punkte tragen echte Koordinaten. Wird das Splat auf diese Punktwolke ausgerichtet, ist die gesamte Szene metrisch verankert — und die Messwerkzeuge im Viewer arbeiten mit tatsächlichen Maßen, nicht mit Bildschirmabständen.

Praktisch heißt das: Sie blenden im Rundgang die Punktwolke ein, klicken zwei Punkte an und erhalten die Strecke. Oder Sie setzen drei und mehr Punkte und messen damit eine Fläche — alles innerhalb einer Messtoleranz von unter 1 cm auf 20 m.

Zusätzlich zur Punktwolke ist bei unseren virtuellen Rundgängen ein 3D-Modell des gescannten Raumes hinterlegt. Dadurch lassen sich Kollisionen mit Wänden definieren, die die Kamera nicht durchdringen kann. Das macht das Erlebnis realistischer.

Der Nachweis — im Film

Behaupten kann das jeder. Wir zeigen es: Der folgende Film dokumentiert das Aufmaß mit dem SLAM-Scanner vor Ort. Am selben Ort messen wir verschiedene Strecken einmal mit dem Laserentfernungsmesser und einmal virtuell im Modell. Vergleichen Sie das Ergebnis selbst.

PLATZHALTER — Aufmaß mit dem SLAM-Scanner und Vergleichsmessung im Viewer.

Die Werte im Überblick

Was der Film zeigt, hier zum Nachlesen — für alle, die lieber Zahlen vergleichen als Filme ansehen.

Gemessene Strecke Vor Ort Im Rundgang Abweichung
Pylonabstand Olympiagelände 18.83 m 18.83 m 0.00 m
Pylonabstand Olympiagelände 25.40 m 25.40 m 0.00 m
Pfeilerabstand Hakckerbrücke 29.65 m 29.65 m 0.00 m

Wo die Grenze trotzdem liegt

Gemessen wird auf der Punktwolke, nicht auf den Farbwölkchen. Das Splat bleibt die Sichtebene — es zeigt, wie es aussieht, während die Punktwolke darunter sagt, wie groß es ist. Wo der Scanner nichts erfassen konnte, etwa hinter einer Verkleidung oder oberhalb der Reichweite, gibt es auch nichts zu messen. Und die Genauigkeit ist nie besser als die Registrierung der Scans.

Für ein BIM-Modell bleibt die Punktwolke die Grundlage, nicht der Rundgang. Der Rundgang ist das, was man jemandem zeigen kann, der keine Punktwolke lesen mag — und ein Bauherr entscheidet nicht anhand einer Punktwolke.

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Punktwolke oder Splat — was Sie wofür brauchen

Die kürzeste Fassung: Die Punktwolke sagt, wie groß etwas ist. Das Splat zeigt, wie es aussieht. In unseren Rundgängen liegt beides übereinander — deshalb können Sie darin sowohl herumgehen als auch messen.

Beides aus einer Hand zu bekommen, ist keine Selbstverständlichkeit. Vermessungsbetriebe liefern die Punktwolke, können aber selten darstellen. Visualisierungsstudios können darstellen, aber nicht messen. Wir tun beides — deshalb entstehen bei uns aus einem Ortstermin beide Ergebnisse, und deshalb kann in unseren Rundgängen gemessen werden.

Teil 3 — Einordnung

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Was Genauigkeit praktisch bedeutet

Messtoleranzen von weniger als 1 cm auf 20 m sind für die Baupraxis vollkommen ausreichend — und das hat einen einfachen Grund: Kein Gebäude ist so präzise gebaut, wie manche Datenblätter es suggerieren.

Jede Wand hat Unregelmäßigkeiten. Schon der Putzauftrag variiert in der Dicke, je nach Untergrund, Verarbeitung und Alter, oft um mehrere Millimeter bis zu einem Zentimeter über die Fläche verteilt. Ein Sparren oder Balken aus Holz, einem natürlich gewachsenen Baustoff, ist im Laufe der Jahre nie vollkommen gerade geblieben — er verzieht sich, arbeitet, verformt sich unter Last und Feuchtigkeit. Mauerwerk setzt sich, Fundamente senken sich minimal, Wände stehen selten exakt im Lot. Diese natürlichen Toleranzen liegen in der Praxis fast immer deutlich über einem Zentimeter, gemessen über die Länge oder Höhe einer Wand.

Eine Scan-Genauigkeit im Bereich weniger Millimeter, wie sie auf manchen Datenblättern beworben wird, misst also eine Präzision, die das Gebäude selbst gar nicht hergibt. Auf der Baustelle bringt das keinen Mehrwert — es ist ein Wert, der sich gut in einer Tabelle liest, in der Realität aber im Rauschen der natürlichen Bautoleranzen untergeht. Unsere Genauigkeit von unter 1 cm auf 20 m liegt exakt in dem Bereich, der für Planung, Bestandsdokumentation und Bauüberwachung tatsächlich relevant ist — ohne Kunden für eine Präzision bezahlen zu lassen, die in der Praxis niemand braucht.

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Von der Punktwolke zum BIM-Modell

Ist die Punktwolke registriert, also aus allen Einzelscans zu einem zusammenhängenden Gesamtbild zusammengefügt, beginnt der eigentliche Konstruktionsschritt: Sie wird in ein CAD-System eingelesen und dient dort als exakte, dreidimensionale Vorlage.

Anders als beim klassischen Aufmaß von Hand steht damit nicht nur eine Sammlung von Maßen zur Verfügung, sondern das komplette Bauwerk als räumliches Abbild — Wand für Wand, Fläche für Fläche. Auf dieser Grundlage rekonstruieren wir das Gebäude Bauteil für Bauteil: Jede Wand in der Punktwolke wird im CAD-System als Wand nachgebildet, jedes Fenster als Fenster, jede Decke als Decke, jeder Sparren als Sparren. Statt einer reinen Punktansammlung entstehen so benannte, strukturierte Bauelemente, jedes mit eigenen Eigenschaften wie Material, Maßen und Position.

Aus dieser Nachkonstruktion entsteht Schritt für Schritt das eigentliche BIM-Modell: kein bloßes 3D-Bild, sondern ein intelligentes digitales Abbild, in dem jedes Element weiß, was es ist, und sich entsprechend weiterverarbeiten lässt — für Statikberechnungen ebenso wie für Sanierungsplanung oder Kollisionsprüfungen. So wird aus Millionen einzelner Messpunkte am Ende ein Modell, das nicht nur zeigt, wie das Gebäude aussieht, sondern versteht, woraus es besteht.

Maßstab

Dasselbe Verfahren setzen wir auch weit unterhalb des Gebäudemaßstabs ein: Wir führen Bauteile per 3D-Scan zurück ins CAD, bis hinunter auf Zehntelmillimeter. In der Fachwelt wird dieser Prozess Reverse Engineering genannt. sparebits.de

Sehen ist überzeugender als lesen

Fünf Münchner Wahrzeichen, von uns erfasst und begehbar gemacht. Der beste Beweis für das, was hier beschrieben ist.

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